Das letzte Refugium des Balkan-Luchses

Die Stauung von Gebirgsflüssen im Nationalpark Mavrovo bedroht eine herrliche Landschaft und ihre natürlichen Bewohner. Aber auch die einheimischen Naturschützer werden von den Behörden unter Druck gesetzt.
Das Besucherzentrum des Mavrovo-Nationalparks ist ein hübsches Blockhaus. Durch die Büsche am Strassenrand glitzert der See. Ein freundlicher Parkwächter sitzt zwischen geschnitzten Souvenirs und Wanderkarten. Doch an diesem Morgen läuft alles schief. Der Parkwächter ist nervös. Er schwitzt und telefoniert und verschwindet schliesslich im ersten Stock. Ratlos bleibt die kleine Besuchergruppe aus Journalisten und Naturschützern zurück, die eine anderthalbstündige Fahrt hinauf in den Talkessel von Lukovo Pole unternehmen möchten. Dort, auf 1500 Metern über Meer nordwestlich vom Gipfel des Grossen Korab (2754 Meter) im Grenzgebiet zu Kosovo, soll ein Staudamm errichtet werden.

Grosses Misstrauen

Um die künftige Baustelle zu besichtigen, braucht man eigentlich keine Genehmigung. Denn ausser seltenen Pflanzenarten, murmelnden Bächen und dem Wind, der durch das hohe Gras fährt, gibt es dort nichts. Aber die mazedonischen Naturschützer sind vorsichtig. Ihre Arbeit wird misstrauisch vom Parkdirektor und vom Umweltministerium beobachtet. Man wartet auf einen Fehltritt, um den Aktivisten den Zugang zum Park zu untersagen. «Für alle Fälle», wie die Naturschützer sagen, haben sie ein schriftliches Gesuch gestellt, um nach Lukovo Pole zu fahren. Es wurde nicht beantwortet. Und jetzt ist der Parkdirektor nicht erreichbar.

Schliesslich ruft der Parkwächter den Vizedirektor an. Dieser geht ans Telefon und verbietet die Exkursion. Darf er das? Die mazedonischen Naturschützer sind sich nicht sicher. Aber unterdessen hat ihr Büro in Skopje einen unfreundlichen Anruf von der Direktion des Parks erhalten. Besser nichts riskieren, findet Gjorge Ivanov. Er ist auf das Wohlwollen der Parkverwaltung angewiesen, um den Balkan-Luchs zu erforschen. Es gibt ihn fast nur noch im Mavrovo-Nationalpark.

Der Park zählt zu den ältesten Naturschutzgebieten Europas. Im Jahre 1949 in Titos Jugoslawien gegründet, wurde er wenig später auf seine jetzige Grösse von 731 Quadratkilometern erweitert (etwa die Fläche des Kantons Glarus). Im Westen nach Albanien hin erheben sich die Deshat- und Korab-Bergketten, unter deren Gipfeln auch im Sommer weisse Schneefelder glänzen. Darunter stehen dunkle Tannenwälder und noch etwas tiefer Buchen- und Eichenwälder. Im Nordwesten markiert der Gebirgskamm der Sarplanina die Grenze zu Kosovo. Auf den weiten Weiden werden jeweils grosse Schafherden gesömmert. Nach Süden senkt sich das Gelände stufenweise bis hinunter zum Schwemmland des Ohrid-Sees.

Seltene Forellenarten und Fischotter tummeln sich in den Flüssen und Bächen. Die Bergwälder bieten Wildkatzen, Wölfen und Braunbären Unterschlupf. In den höheren felsigen Lagen leben Gemsen. 1952 wurde die Mavrovska zusammen mit kleineren Bergbächen gestaut und auf 1230 Meter Höhe ein gut 13 Quadratkilometer grosser Stausee angelegt.

Durchschnittener Lebensraum

Dass nun im Zuge der maximalen Erschliessung der Wasserkraft zwei weitere Stauseen entstehen sollen, hat die Naturschützer auf den Plan gerufen. Eine ihrer Sorgen gilt dem Balkan-Luchs. Im Nationalpark lebt die letzte sich regenerierende Population der Raubkatze, einer Unterart des Eurasischen Luchses. Kommt der Damm, wird sein Lebensraum von Zufahrtsstrassen durchschnitten. Der Bau- und Verkehrslärm wird die scheuen Katzen vertreiben.

Der Wildkatzenspezialist Urs Breitenmoser von der International Union for the Conservation of Nature warnt vor dem Projekt. Es könne dazu führen, schreibt er, dass eine der am stärksten bedrohten autochthonen Säugetierarten Europas aussterbe. Für das Wasserkraftwerk Lukovo Pole sollen die Zuflüsse der Radika in ein Rohrsystem gefasst und das Wasser in ein Becken geleitet werden, das von einer 71 Meter hohen Staumauer abgeschlossen wird. Die Kosten dafür betragen 83 Millionen Euro, wovon die Weltbank ein Darlehen von 70 Millionen zahlen soll. Wegen des Widerstandes gegen das Projekt will die Bank vor der Kreditvergabe eine zusätzliche Umweltverträglichkeitsprüfung abwarten.

Gefahr der Austrocknung

Romy Durst, Projektleiterin der deutschen Stiftung Euronatur, die eng mit lokalen Organisationen zusammenarbeitet, ist überzeugt, dass eine Kosten-Nutzen-Rechnung zuungunsten des Projekts ausfällt. «Nicht nur werden die botanisch wertvollen Flächen verloren gehen, wo der Stausee entstehen soll; die unterhalb liegenden Täler werden zudem austrocknen.» Dem stünden kleine Energiegewinne gegenüber: Nach den Berechnungen des staatlichen Betreibers wird das Kraftwerk Lukovo Pole die Energieproduktion des Landes um höchstens 2,2 Prozent vergrössern. Für Boskov Most, das zweite Wasserkraftwerk, geht man von 1,6 Prozent Wachstum aus.

Der Weg zum geplanten Staudamm Boskov Most steigt sanft durch ein bewaldetes Tal. Auf der linken Seite, zuerst kaum sichtbar im tief hängenden Blattwerk, scheint plötzlich der grau schimmernde Bogen einer osmanischen Steinbrücke im Sonnenlicht auf. Elegant überspannt sie das schnell dahinfliessende Wasser der Mala Reka. «Elen skok», Hirschsprung, heisst das Bauwerk. Der Legende nach hat es ein osmanischer Herr zu Ehren eines Hirsches bauen lassen. Angeschossen rettete sich das Tier mit einem mächtigen Satz über den Fluss und entkam seinen Jägern. Jetzt geht eine Bauersfrau in weissem Rock und Kopftuch mit ihren zwei Söhnen langsam über die Brücke. Kaum auf der andern Seite, werden sie vom Buchenwald verschluckt. Die kleine Gruppe steigt hinauf zu einem kleinen, am Berghang klebenden Dorf, aus dem ein weisses Minarett emporragt. Hier leben Torbesi, mazedonischsprachige Muslime.

Abhängig von Skopje

Wenn, wie geplant, weiter oben im Tal die 33 Meter hohe Staumauer gebaut werde, verändere sich das Leben im und am Fluss, erklärt Romy Durst. Das Kraftwerk ist für Spitzenstromerzeugung konzipiert. Abflüsse und Zuflüsse der Mala Reka werden durch Rohre und Kanäle in den Stausee geleitet. Nach Bedarf wird das Wasser schlagartig abgelassen.

Dieser «Schwallbetrieb» hat zur Folge, dass sich die Fischhabitate drastisch verändern. Der tägliche Wechsel der Wassermenge würde zum weitgehenden Verschwinden der Forellen und der Fischotter führen. Auch hier spielen die internationalen Geber eine entscheidende Rolle: Von den 84 Millionen Euro, die das Projekt kostet, sollen 65 Millionen Euro durch einen Kredit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung gedeckt werden. Auch in diesem Fall steht der endgültige Entscheid noch aus.

Der Widerstand gegen die Wasserkraftwerke wird von sehr unterschiedlichen Gruppen getragen. Samet Abduli ist der Präsident des Gemeindeverbandes Reka. Ein grosser Teil der 9000 Bürger, die im Park lebten, stünden hinter ihm, sagt er. Der Fluss Radika sei die Lebensader der Region, und wenn sein Wasser umgeleitet werde, ändere sich das Klima im Tal. Davon betroffen seien der Anbau von Tabak, Wein, Paprika und natürlich die Fischbestände, die jetzt schon abnähmen.

Aber Abduli räumt ein, dass viele Menschen im Mavrovo-Nationalpark wirtschaftlich von der Regierung in Skopje abhängig seien – einschliesslich der gesamten Parkverwaltung. Deshalb schwiegen sie oder unterstützten die Projekte sogar. Sein Widerstand habe ihn die Stelle als technischer Leiter der Abfallentsorgung gekostet. Aber er gebe nicht auf. «Notfalls lege ich mich vor die Bulldozer.»

Behördliche Schikanen

Unterstützung erhalten die lokalen Gegner von der Mazedonischen Ökologischen Gesellschaft, einem Verein von Naturfreunden, die mit wissenschaftlicher Expertise und geduldiger Lobbyarbeit einen Sinneswandel bei den Entscheidungsträgern herbeiführen möchten. Dabei werden sie unterstützt von der Stiftung Euronatur, die auf dem ganzen Balkan Projekte unterhält. Mavrovo ist auch ein Schwerpunkt der internationalen Kampagne zum Schutz des «blauen Herzens Europas» (siehe Kasten).

Die Zusammenarbeit zwischen diesen Akteuren ist nicht immer einfach. In Mazedonien haben die Regierungsparteien in den vergangenen fünf Jahren ein politisches Klima geschaffen, in dem auf Widerspruch sehr gereizt reagiert wird. Davon sind natürlich die lokalen Organisationen ganz anders betroffen als internationale Akteure. Das Verbot, in Lukovo Pole den Standort der geplanten Staumauer zu besuchen, ist für einen internationalen Kampagnenleiter geradezu eine Einladung, dagegen zu verstossen, um im anschliessenden Konflikt die mangelnde Professionalität und Unabhängigkeit der Parkverwaltung zu entlarven. Dagegen beugen sich die lokalen Aktivisten lieber der Zumutung. Sie fürchten nämlich endlose Finanzinspektionen und andere Schikanen der Behörden.

Von der Unduldsamkeit der Behörden konnte sich die Journalistengruppe bei einem Besuch im Umweltministerium in Skopje dann selbst noch überzeugen. Entgegen der landesüblichen Gastlichkeit stehen die Journalisten schon nach zehn Minuten wieder an der frischen Luft. Der Chef der Abteilung Naturschutz will zu den Projekten keine Stellung nehmen. Vollends verdriesst ihn dann, dass die Gäste auf dem Besuch der bedrohten Gebiete insistieren. Es gebe anderswo noch viele schöne Orte im Nationalpark. Und damit ist die Diskussion beendet.

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